Unsere Zielgruppen und das Konzept


Zielgruppen

Die systemisch-heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Hauptmann bietet sich grundsätzlich für Kinder und Jugendliche an, die auf Grund ihres Alters und ihrer Biografie ein gewisses Maß an Sicherheit und Überschaubarkeit benötigen, für die jedoch eine Unterbringung in einer Pflegefamilie ausgeschlossen ist.


Sie eignet sich insbesondere bei einer mittleren bis längerfristigen Unterbringungsperspektive. Eine Rückführung in die Herkunftsfamilie wird dabei jedoch keinesfalls ausgeschlossen und von uns im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützt.

Eine Unterbringung in der Wohngruppe ist für sieben Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren möglich. Bei Bedarf kann das Kind/der Jugendliche im Rahmen eines Zusatzangebots mit erhöhter Betreuungsintensität betreut werden. Dies bietet eine flexible Möglichkeit auf individuelle Bedarfe zu reagieren.

Im Verselbständigungsbereich haben sechs Jugendliche ab 15 Jahren die Möglichkeit Selbständigkeit insbesondere in den Aufgaben des Alltags zu erlangen.

Haus Bergede ist als Regelgruppe für 7 Kinder ab 6 Jahren konzipiert. Auch hier kann im Rahmen eines Zusatzangebotes mit erhöhter Betreuungsintensität gearbeitet werden. In der Einrichtung können sowohl Mädchen als auch Jungen aufgenommen werden und auch Geschwisterpaaren kann die systemisch-heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Hauptmann einen Platz bieten.


Symbolbild

 

Die Kinder- und Jugendhilfe Hauptmann ist primär geeignet
für Kinder und Jugendliche,…

  • mit Auffälligkeiten und Defiziten im kognitiven, emotionalen und sozialen Bereich

  • mit einem wenig ausdifferenziertem Verhaltensrepertoire, bedingt durch Sozialisationsdefizite und/oder mangelnden Selbstwert

  • deren Grundbedürfnisse nach Zuwendung, Geborgenheit und Sicherheit nicht ausreichend erfüllt wurden

  • deren Entwicklung durch innerfamiliäre Probleme behindert wurde

  • bei denen psychische und physische oder sexuellen Misshandlungen/ Traumatisierungen vorliegen

  • deren Alltag durch innerfamiliäre Suchtprobleme bestimmt ist

Unsere Grenzen hingegen sehen wir bei Kindern und Jugendlichen mit einer akuten Suchterkrankung, einem diagnostizierten starken psychiatrischen Krankheitsbild sowie einer schweren körperlichen oder geistigen Behinderung.


Unser Konzept

Unsere gesamte Förderung ist eingebunden in einen klaren, pädagogisch strukturierten Erziehungsrahmen, in dessen Grenzen die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Sicherheit, Geborgenheit und Kontinuität erfahren. Auf der Grundlage tragfähiger und zuverlässiger Beziehungen knüpfen die Erziehungs­methoden an das jeweilige Entwicklungsniveau des Einzelnen an. In einem strukturierten Setting kommen heilpädagogische, systemische, traumapädagogische und tiergestützte Methoden zum Einsatz.


Unsere Arbeit basiert auf einer humanistischen Grundeinstellung. Daraus resultiert eine prinzipiell positive, ganzheitliche, wertschätzende und akzeptierende Einstellung zum Menschen. Wesentliche Inhalte der Beziehungsebene leiten sich daraus ab, zum einen als positive Wertschätzung und emotionale Wärme, Echtheit und einfühlendes Verstehen, zum anderen als Angebot von Orientierung und Struktur.

Unsere pädagogische Handlungsweise orientiert sich immer an den individuellen Bedürfnissen und Problemlagen der Kinder und Jugendlichen.

Die Kinder und Jugendlichen können lernen, ihre eigenen Bedürfnisse wahr­zunehmen, realistische Ziele zu entwickeln und diese in sozial kompetenter Weise zu verfolgen. Sie können lernen, ihre Anliegen legal und sozial angemessen zu verwirklichen und eine selbständige und verantwortungsbewusste Persönlichkeit zu entwickeln, durch die sie in die Lage versetzt werden, ihren Platz im Berufsleben und in der Gesellschaft insgesamt zu finden. Wir wollen sie befähigen, alters­entsprechend Selbständigkeit zu erlangen, positive Ziele zu entwickeln und deren Verwirklichung anzustreben, um eine gute Lebensperspektive zu erreichen.

Wir schaffen Voraussetzungen, die es den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermöglichen, unangemessene Verhaltensweisen und Selbstwert­störungen, die zumeist aus frühen Störungen der psychosozialen Entwicklung resultieren oder durch Traumatisierung entstanden sind, abzubauen und unbewältigte Entwicklungsphasen abzuschließen. Dadurch soll ein Entwicklungs- und Wachstumsprozess eingeleitet werden, der es ermöglicht, individuelle Ressourcen zu entfalten. Ziel ist die Entwicklung von positivem Selbstwertgefühl, Kreativität, Selbstständigkeit und Konkurrenzfähigkeit der jungen Menschen.

Entsprechend heilpädagogischer Grundsätze nehmen wir die Kinder und Jugendlichen so an, wie sie sind und fördern sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Insbesondere systemische Ansätze kommen bei der Arbeit mit der Herkunftsfamilie zum Tragen. Wir untersuchen, welche der Problematiken, die die Kinder und Jugendlichen mitbringen, ihre Wurzeln in ihrer Ursprungsfamilie haben, welche Verhaltensmuster daraus resultieren und wie wir sie gemeinsam unterbrechen können. Eine Zusammenarbeit mit den Herkunftsfamilien ist uns daher sehr wichtig.

Wir möchten den Kindern und Jugendlichen keine „Ersatz-Familie“ bieten, sondern sie darin bestärken, ihre eigene Familie akzeptieren und respektieren zu lernen und so die Ressourcen und Schwächen des eigenen Familiensystems zu erkennen.

In Einzelsettings haben die Kinder und Jugendlichen Gelegenheit, ihren Alltag zu reflektieren, sich mit der eigenen Herkunft und Geschichte zu beschäftigen, traumatische Erfahrungen zu bearbeiten und die Chance, ihre jetzige Lebens­situation aufgrund der vorausgegangenen Erfahrungen zu akzeptieren.

Traumatisierte Kinder und Jugendliche können wir durch psychologische und pädagogische  Inter­ventionen, entweder durch eine Fachkraft in der Einrichtung oder durch externe therapeutische Maßnahmen dabei unterstützen, Erfahrungen der Vergangenheit aufzuarbeiten.

Ein ritualisierter Tagesablauf und feste Strukturen geben den Kindern und Jugendlichen Sicherheit und fördern ihre Entwicklung, da sie den Alltag berechenbar werden lassen.

Durch die in der Einrichtung lebenden Hunde können wir Ansätze der tiergestützten Pädagogik anwenden. Tiere bewerten Menschen nicht, sie nehmen sie so an, wie sie sind. Dadurch wirken unsere Hunde für die Kinder und Jugendlichen weniger bedrohlich und können im Erziehungsprozess eine Katalysator­wirkung für die Entwicklung von emphatischer und zufriedenstellender sozialer Interaktion sein.

Wir beabsichtigen in unserer Arbeit stets eine Nachhaltigkeit, insbesondere für die Zukunft der jungen Menschen. Wir legen großen Wert darauf, dass die Kinder und Jugendlichen, die einen Teil ihrer Lebenswegestrecke in unserer Obhut verbringen, verstehen, begreifen und verinnerlichen, warum sie bei uns leben. Wir wollen ihnen vermitteln, dass wir kein Ersatz für ihr Herkunftssystem darstellen und sie auch nicht „retten“ oder „bestrafen“ wollen, sondern dass wir im Besitz von Möglichkeiten sind, ihre Zukunft mit ihnen vorzubereiten und zu gestalten.

Wir arbeiten darauf hin, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die unsere Einrichtung verlassen, positiv auf die Zeit der Unterbringung schauen können und vor allem Werkzeuge für ihr selbständiges Leben erlernen konnten.